Das Geflüster des 'falschen' Chu'kays.

#1
- Nebenplot-Einleitung

Einige Tage nach der Klippe von Liazhin:

„Chu’kay!“ schallte es durch den Dschungel. Un’tala kniete vor ihrer Kohlepfanne. Im Feuer zerfielen langsam die Narrenkappe und einige roten Blüten der Rose. Durch ihre Dreingabe knisterten die Flammen nun im unheilsvollen Violett. „Ich ruf‘ dich, Loa d’r List un‘ Narretei’n.“ Der winzige Flaum ihrer Haut stellte sich auf, als sie die Anwesendheit des Loas spürte, welchen sie rief.

„Du rufst mich? Wie’n Hund, dea ich sein sollte?“ Schnaubend schüttelte der Hund seinen gewaltigen Kopf. „Du hast dein Mumm nich‘ verlor’n, kleine Un‘tala… Also sprich“, knurrte seine Stimme unangenehm leise in ihrem Rücken.

„Chu’kay…“, die Trollin stockte, kniff ihre Augen ein Stück fester zusammen, „ich rief dich, damit du mir ne Frage b’antwort’n kannst. Deine Symbole hing’n vor einig’r Zeit an uns’rer Klippe…“

„Un‘ nun? Was soll ich damit zu tun hab’n, dein’r Meinung?“ Die Stimme des Loas klang argwöhnisch.

„Das wollt‘ ich rausfind’n… Hast du dei’m Kult Anweisung’n g’geb’n, Zeich’n wie G’bisse od’r dein Grins’n aufzuhäng’n un‘ in n’Fels zu ritz’n?“ Un’talas Haltung war weniger gerade, wie sie zu Beginn der Anrufung war. Eingesunken durch Unsicherheit.

Skeptisch beäugen zwei grosse Augen seine Anhängerin. Sein berüchtigtes Grinsen schwand schon bei ihrem Ruf. ER hatte andere Sorgen als für die Fragen dieser einen Anhängerin gerade zu stehen. Als ob ER Anweisung geben würde, um den heiligen Ort mit seiner Symbolik zu erfüllen. Die Anduri wollten keine Loa dort haben und so hielt er sich daran.
„Nein, ich gab keine Anweisung’n. Ihr wollt uns dort nicht. Warum sollt‘ ich mich dageg’n stell’n?“ Ob ER es wagen sollte? Im Moment war sie die treueste Anhängerin. „Ab’r… Ich hab‘ n’Verdacht, dass mein Kult beginnt, wen anders anzubet’n.“

Un’tala zog die Luft schweigsam ein. Gespannt lauschte sie Chu‘kay, dessen Präsenz um sie herumschlich.

„Sowas wie ein and’rer Loa… Mit viel Macht. Raubt mir mit jedem Tag mehr meiner Anhänger, weil er sich als mich ausgibt. Vielleicht haben sie es in seinem Namen gemacht und nutzt‘n meine Symbole, um seine Macht zu festig’n.“

„Dann lass mich dir helf’n, Chu’kay,“ bricht es aus ihr heraus. Kein Mitleid, um den Loa, sondern aufrechte Hilfsbereitschaft: „Lass mich deine Aug’n un‘ Ohr’n sein, um ‘rauszufind’n, was für’n Loa od’r and’res Wes’n dein‘ Platz im Dschung’l streitig macht.“

Erstaunt blickte der Hund die Trollin an. Seine Anhängerin. Die IHN nach Ewigkeiten als IHREN Loa anerkannt hatte, nebst der Mutter des Dschungels. Ob sie es jemals für möglich gehalten hätte, dass sie IHM ihre Hilfe anbot? Vermutlich nicht. ER wusste um ihren Schwachpunkt. Peinigte sie jede Nacht in ihren Träumen. Sie sollte seine Fähigkeiten lernen, um stark zu werden. Chu’kay schüttelte den Kopf, um seine Gedanken zu vertreiben. Der Hund sprach in seinem höhnisch kläffenden Tonfall: „Du kleine Tala willst mir helf’n? Nun gut. Dein Mumm is‘ wie bei uns’rem ersten Gespräch bewunderswert und macht selbst Shirvallah Ehre. Dass muss man dir lass’n. Find was raus üb’r d’n dunkl’n Loa, wenn du mir helf’n willst.“

„Jap, werd‘ ich mach’n, Chu’kay.“ Sie nickte, wusste um die Lage Bescheid und konnte ihm sicherlich helfen. Sie dankte ihm und seine Präsenz verschwand.
Zuletzt geändert von Untala am Dienstag 18. Februar 2020, 00:52, insgesamt 4-mal geändert.

Re: Das Geflüster des 'falschen' Chu'kays.

#2
Zwei Wochen später: Vor der Reise

Sie hob ihre grösste Satteltasche auf den Tisch. Einige lose Pergamentblätter mit Aufzeichnungen für Einträge in ihr Heilkundebuch flatterten durch den dabei aufkommenden Wind von der Tischfläche. Un’tala seufzte, als sie kurz durch ihr kleines Zimmer sah. „Bald sollt‘ ich mir mal ne Hütte im Dorf d’r Anduri such’n. Anspruch hätt‘ ich drauf als Stammo“, murmelte sie zu sich selber. Bückend sammelte sie die Blätter auf und legte sie ordentlich gestapelt auf den zweiten Tisch. Ihre linke Klaue ergriff nach kurzer Suche einen kleinen Zettel. Ihre Packliste. Anhand der Grösse der Gegenstände und in welche Tasche diese kamen, unterteilt. Sie begann die einzelne Sachen zusammenzusuchen. Da mal eine kleine Kohlepfanne, hier mal das goldene Räuchergefässt mit den Ornamenten. Ein geschmückte Kerze für Rituale, sofern gebraucht würde und eine rituelle Schale. Diese fand sie einst in Nazmir. Laut Aussagen der Zandalari nutzte man diese für üble Blutmagie. Sie legte die Schale in den Sack. Für irgendetwas würde sie sicherlich zu gebrauchen sein. So das Brennholz lag bereit in der Ecke und ihren Feuerstein bereits in der Gürteltasche verstaut, während sie auf dem Zettel besagte Dinge abhakte.

Un’tala erinnerte sich an das Gespräch vor einer Woche mit dem Jin und stellvertretender Kastenanführender der Bokur. Gloktà war anfangs skeptisch, doch sie überzeugte ihn, dass wohl mehr im Busch lag als anhin gedacht. Er unterstützte sie im Vorhaben, auf Reisen zu gehen. Zu den Zandalari auf Zandalar. Diese wussten immerhin eine ganze Menge über Loa und die Geschichte. Sie dagegen wusste, wo sie als Priesterin anfangen würde zu suchen. Die Frage würde wohl eher sein, welcher Loa und damit verbundenen Priester sie anfragen sollte. Aber dafür sollte genügend Zeit vorhanden sein. Ein Schmunzeln umspielt ihre Hauer, als sie an den Fortgang des Gesprächs dachte. Knox als Kastenführer zu fragen, ob er sie begleitete und beschützte, war eine gute Idee. Aber er würde ihr wohl keine Antwort liefern können, welche zwei noch nicht Liebenden sie mit einer Illusion zusammenbringen könnte. Ausser eine. Sie schüttelte den Kopf, um den Gedanken zu vertreiben. Nope, sie wollte nicht daran denken.

So fokussierte sie sich wieder auf den Zettel. Kleine Tasche: Schmuckstücke. Sie suchte ein kleines Kästchen, indem sie ihren verzauberten Schmuck lagerte, und zog es schlussendlich unter dem Bett hervor. Talismane, Ringe, Perlenketten und Steine. Manche davon verziert mit bunten Federn oder kleineren Steinen. Andere, besonders die Talismane, mit Fratzen und Symbolen geschmückt. Sie wog den Nutzen und die herankommenden Situationen aus und griff zu einem bunt verzierten breit grinsenden Talisman. Ein Glücksbringer, der einst einer Fluchweberin gehörte. Für den Kampf geeignet. Ein weiterer Talisman nahm sie aus dem Kästchen: Das violettes Gesicht von Zanza war darauf abgebildet, einem der Trollgötter. Für magische Rituale. Einen grünen Ring, der als Kreis des Lebens bekannt war, sowie die Jujuperlen einer alten Hexendoktorin folgten den hölzernen Talismanen. Auch ein grünlicher Stein ging den Weg in die Schmuckstück-Tasche mit. Mit dem nächsten Blick wählte sie noch zwei Buchbände nebst dem Loa-Lexikon und ihren Heilbuch aus. Der Kodex der Seelenstärke und ein Foliant zum Schutz vor Schattenzauberei. Nun kam ihre Versorgungs- und Heilertasche dran. Diverse Kräuter und Salben folgten. Für Knox oder sie, nach einem Kampf. Genauso auch Pflanzen, die für Rituale genutzt werden. Narrenkappen landeten in der Tasche, ein Pilz, der im wahrsten Sinne ein passender Namen besass für ihren Loa. So weiter tänzelte sie beinahe durch ihr Zimmer. Dem vielen Gepäck am Boden ausweichend, bahnte sie ihren Weg mal dorthin und mal dahin.
Als sie fertig war, stieg sie die Treppe hinauf und nickte im Nebenbei dem Handelsbaron der Bay zu. Auf den schmalen Planken, die in Richtung des Windmeisters verliefen, lehnte sie sich ans Geländer. Von hier oben hatte sie eine wunderbare Aussicht über die Bay und sogar noch zu den höchsten Dschungelecken ausserhalb des umgebenden Gebirges.

Sie schloss für den Moment die Augen und genoss die Brise, welche ihr Gesicht schmeichelte. Un’tala liess die letzten Wochen Revue passieren. Sie fand in der Umgebung der Tempel immer wieder Gebisse in den Bäumen hängen. Sogar einige Grinsen waren in den Mauern eingeritzt. Zudem begann in den letzten Tagen ein merkwürdiges Geflüster um sich zu greifen. Sie verstand die Worte nicht, diese klangen vom Tonfall aber zu süss, als dass sie Warnungen sein konnten. Selbst Chu’kay fand darauf keine Antwort und als sie ihr Opfer Ula’Tek anbot, gab sich diese sich sehr wortkarg. Nun gut, wenn die Loa nicht weiter-wussten, würde sie sich auf die Suche nach Antworten begeben. Sie liess ihren Loa nicht im Stich, genauso wenig ihren Stamm. Sie würde ihn beschützen, selbst wenn es das letzte ist, was sie tun würde. Damit verschwand sie wieder zurück in ihr Zimmer und legte sich schlafen.
Zuletzt geändert von Untala am Samstag 22. Februar 2020, 00:30, insgesamt 2-mal geändert.

Re: Das Geflüster des 'falschen' Chu'kays.

#3
- Hauptplot-Einleitung
Währenddessen im Dschungel

Geflüster geht im Dschungel um. Es weht im Wind bei den Tempeln. An Orten, welche der Kult des Grinsenden seine Heimat nennt. Jeder in seinen dunklen Stunden voller Zweifel, Sorge und Schwäche wird den lockenden Versprechen lauschen und sich einlullen lassen. Ein jeder wünscht sich Macht, wünscht sich Stärke. Doch wer kann sie geben? Das Geflüster spricht und antwortet dem Begehren der Fragenden.

Die Loa schweigen, beobachten mit skeptischem Blick, was da kommen mag. Sie fürchten das Verborgene im Geflüster. Sie spüren, die Dunkelheit hinter den verheissungsvollen Worten. Spüren die Gefahr, die lauert.

Einen der ihrigen hat es bereits getroffen. Der Schwächste unter ihnen. Seine Anhängerschaft hat sich von ihm abgewandt. Lauscht den Lügen und Illusionen eines neuen „Loas“, dessen Flüstern sie als die Wahrheit anerkennen. Sie waren leicht den Versprechen erlegen, wanderten nahe dem Wahnsinn und versinken nun darin.

Die Bokur werden hellhörig. Ihre Loa verstummen nach und nach. Ein ungutes Gefühl vermehrt sich wie eine Krankheit, befällt jeden, der mit den Loa in Kontakt steht. Wenn selbst die lauten Geister wie Haquu und Shirvallah ihre Stimmen senken, scheint es um den Dschungel schlecht zu stehen.

Re: Das Geflüster des 'falschen' Chu'kays.

#4
Nach der Ankunft in der Bay: Drei Tage später

Die Nacht war kurz gewesen. Als sie am Vorabend in die Taverne ging, wollte Un‘tala für einen Moment die Schrecklichkeit ihrer gesammelten Wissensbestände vergessen. Deshalb kaufte sie auch einige Flaschen des leckeren Dschungelrankweines. Doch sie überliess die restlichen Flaschen schweigend Knox und verschwand mit der Bitte an die Neue, sie möge sich um den betrunkenen Knox kümmern. Sie sperrte die Welt draussen mit der Türe aus und liess ihre Stirn ans Holz sinken. „Warum sprech ich nur de Wahrheit aus?“ Ihr Flüstern war tränenerstickt, als die ersten heissen Tropfen begannen über ihre Wangen zu laufen.

„Weil du dich dazu entschied’n hast.“ Die Stimme des Hundes sprach hinter ihrem Rücken mit ruhigem Tonfall. Sie drehte sich erschrocken um. Doch erblickte sie weder Häme noch das markante Grinsen. Die Hundeaugen starrten sie nur wissend an.

„Was willst du, Grins’r?“ Den Loa argwöhnisch in den Augen behaltend, liess sie sich auf einen Stuhl fallen. Wann immer Chu’kay von selbst kam, ohne dass sie ihn rief, war die Erfahrung meist nicht die Angenehmste. Irgendetwas hatte immer einen Haken an seinen Besuchen.

„Was haste rausgefund’n kleine Un’tala?“, war die Gegenfrage. Ein schweres Seufzen erklang aus ihrer Richtung. Sie wollte vieles, nur nicht darüber reden im Moment. Ihre hautigen Brauen rückten näher zusammen und ihre Stirn warf Sorgenfalten, als sie sich ergab.

„Nich’s gut’s. Wir hab’n bei and’ren Loas rausg’fund’n, dass’s sich dabei um n’alt’s finst’res Wes’n nam’ns N’zoth hand’lt. ‘r hat sich wie du auf G’flüst’r un‘ Illusion‘ spezialisiert, v’rdreht gerne G’dank’n. War n’lang’s Weilch’n in’n Tief’n d’r Meere ang’kett’ un‘ kam wohl frei.“ Ihre Stimme klang belegt, ihr Gesicht war noch feucht von den glitzernden Spuren. Spärliches Mondlicht liess den durchscheinenden Hundekörper silbern erleuchten und erhellte den Raum für ein Mindestmass.

Das Knurren, das im Moment erklang, als sie geendet hatte, beunruhigte ihr Herz nicht. Sie hatte Verständnis für seinen Zorn. „Was hab’n dir de Loas g’sagt, wie man ihn b’kämpf’n kann?“

In ihren Kopf zeigte sich das Bild von Panogo, dem fragwürdigen Botschafter und mit seiner Erzählung auch die Geschichte von Hunderten von Amani, die sich auf etwas Riesiges, Monströses stürzten. „De Trolle hab’n früh’r schon geg’n solche Wes’n g’kämpft. De Amani hab’n sowas wie’n Gen’ral g’rippt, was ab’r mit stark’n V’rlust’n einh’rging. Sogar de Loa hab’n mitg’kämpft. Würd‘ glaub’n, dass wir das als Stamm allein nich‘ schaff’n werd’n. Nich‘ ohne de Loa un‘ ihre Unt’rstützung“, endete sie mit ihrer Annahme und seufzte lautlos. Sie war müde und fühlte sich erschlagen. Ihr Loa sollte ihr doch einen Moment Ruhe gönnen. Doch er tat es nicht. Allerdings schwieg er für wenige Momente. Sie schloss ihre Augen, versuchte mit der Geschichte auch ihren Reisepartner aus dem Kopf zu sperren. Sie wollte den Troll nicht in Anwesenheit ihres Loas im Kopf haben.

„Ihr müsst euch vorb’reit’n auf ihn…“ Chu’kay klang angespannt. Un’tala öffnete ihre Augen und betrachtete den Loa eingehend. Sein Fell und die ganze Haltung standen auf Aufmerksamkeit.

„Vorb’reit’n?“, fragte sie unwissend.

„Vorb’reit’n auf’n Kampf… Un‘ du wirst diese Vorb’reitung’n üb’rnehm’n. Wenn dies’r N’zoth gleich arbeitet, wie ich, dann weisst du, wie se sich vorb’reit’n müss’n, um nich‘ d’n V’rsprechung’n zu ’rlieg’n.“ Entschlossenheit lag in der Stimme des Loas.

Ihre Augen dagegen weiteten sich, er wollte, dass sie WAS machte? „Chu’kay… D’r Stamm hat von dir nich‘ de beste Meinung… Biste dir da sich’r?“

Die glühenden Augen des Loas starrten sie unentwegt an. Dann nickte sein gewaltiger Kopf. „Du bist ne Bokur. Du hast von mir deine Illusionsmacht bekomm’n. Du wurd’st von mir trainiert. Hab Vertrau’n in dich, kleine Un’tala.“ Er wollte es und sie würde ihm diesen Auftrag nicht ausschlagen. Trotz seiner Angespanntheit ist sein Grinsen erkennbar. Das unverwechselbare breite Grinsen, wenn er Pläne ausheckte, die so sicher waren, dass die meisten schreiend davonrennen würden.
Das würde sie im Moment am liebsten auch tun… Schreiend davonrennen und nicht die Macht anwenden, um zu diesem Monster zu werden, wie einst ihre Mutter. Sie schluckte leer. Dann nickte sie. Egal wie sie sich entscheiden würde, ihr Weg führte unweigerlich zu ihm… Und wenn sie ihm helfen wollte und um diese Bedrohung zu bekämpfen, brauchte es ihn und die anderen Loa sowie ihre speziellen Mächte.

„Werd‘ n’Stamm’streff’n zusamm’n ruf’n, damit alle dort Anwesend’n de Information‘ b’komm’n. Werd‘ dein‘ Vorschlag unt’rbreit’n un‘ uns dann vorb’reit’n auf de Schlacht.“ Ihre Stimme klang entschlossen. Sie hatte sich mit ihrem Schicksal, das Ula’Tek für sie wohl vorherbestimmt hatte, abgefunden.

„Brav so, kleine Un’tala.“ Mit diesen sonst so üblich spottenden Worten verabschiedete sich der Loa und verschwand. Nun sass sie im Dunkeln und schaut auf den Fleck, wo er vor wenigen Augenblicken noch stand.

Der Haken an diesem Besuch… Er hatte sie tatsächlich dazu beauftragt. Sie schüttelte ungläubig den Kopf und lachte plötzlich lauthals. Ihr Lachen versprach keine Freude. Eher Wahnsinn und Angst, Trauer und Wut. Unglauben. Sie lachte ihre Gefühle raus. Ein Zimmernachbar schlug gegen die Wand und maulte etwas von „Ruhe!“ und „Schlafen wollen!“, bloss weniger freundlich. Nur langsam beruhigte sie sich. Versiegte Tränenströme flossen wieder über ihre Haut, als sie sich schwerfällig vom Stuhl erhob. Lasch zog sie ihren Schulterschutz aus und die Kleidung folgte kurze Zeit später hinterher. Sie fiel ins Bett und kroch unter die Decke. In die Stille noch immer glucksend starrte sie die Zimmerdecke an. Sie würde keine ruhigen Nächte mehr haben. Danach kuschelte sie sich unter die Decke und ehe sie ihre erschöpften Augen schloss, dachte sie als letztens: „Un‘ ich muss noch d’n Stamm davon üb’rzeuge’n.“

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