Tiki

#1
Es ist dunkle Nacht. Als ein kleiner Schatten die Hauswände entlang durch die Gassen Orgrimmars huscht. Immer wieder von Hindernis zu Hindernis huschend, sich immer im Schatten haltend. Weiter vorne leuchtet Licht durch eine offene Tavernentür. Ein Gerumpel und Gegrunze, als ein sturzbesoffener Orc die Treppe runter wankt. Kleine spitze blaue Ohren zucken aufgeregt als die Welpin den Orc erblickt. Leise und unsichtbar schleicht sie sich an ihn heran. Ein gefundenes Fressen, wenn nun niemand dazwischen kommt.
Mühsam torkelt der Orc, mehr schief als gerade, an die Hauswand und fummelt an seinem Hosenschlitz herum. Ein Plätschern und ein Seufzer der Erleichterung sind zu hören. Die Welpin huscht vor, schleicht sich an den Orc heran. Völlig fertig mit seiner Welt lehnt der Orc seine Stirn an die Hauswand. Wahrscheinlich erhofft er sich davon, daß die Welt sich weniger dreht.
So lautlos wie ein Schatten erreicht die Welpin ihr Opfer. Noch während er wieder alles in seiner Hose verpackt, holt die Kleine mit einem Knüppel aus und schlägt ihm in die Kniekehle. Grunzend und fluchtend sackt der Orc, der sich alkoholbedingt eh in einer schiefen Lage befindet, auf die Seite. Er merkt gar nicht wie ein scharfes Messer seine Geldtasche am Gürtel abschneidet. Und bevor er sich richtig aufrappeln kann und mit dickem Kopf versucht zu begreifen was da geschehen war, rennt ein kleiner Welpe schon wieder zurück in den Schatten.
Flink wie ein kleiner Affe klettert die Welpin an einer Hauswand hoch auf das Dach. Zufrieden wiegt sie den Geldbeutel in der Hand. Selbst wenn da nur Kupferlinge drin wären, was sie nicht glaubt, war das nun eine fette Beute.
So leise und elegant wie eine Katze huscht die Welpin über die Dächer hinweg zu ihrem Unterschlupf - mehr Ruine als Haus. Es muss mal eine tolle Werkstatt, mit einer Wohnung oben drüber gewesen sein. Aber nachdem ein Brand unten in der Schmiede gewütet hatte, ließ man das Haus seinem Schicksal.
Nachdem Tarishan zusammen mit ihren „Rettern“ in Orgrimmar angekommen und ihnen entwischt war, hatte sie viele Tage und Nächte in dunklen Ecken gehaust. Immer wieder ist sie von anderen Welpenbanden vertrieben worden, oder Wachen hatten versucht sie einzufangen. Durch Zufall hatte sie diese Brandruine entdeckt. Hier und da waren Ziegel eingebrochen. Tauben und Ratten hatten sich bereits eingenistet. Es roch alles ziemlich muffig und nach Kohle. Die Schmiede unten hatte es am schlimmsten getroffen, aber das interessierte die Welpin nicht. Hier war ein verborgener Ort. Niemand schien sich mehr in die Ruine zu trauen, aber für sie war es der perfekte Unterschlupf. Tage hatte sie mit verbracht die Wohnung wieder bewohnbar zu machen. Hatte Spinnenweben entfernt, Brandreste beseitigt und sogar geputzt. Es war nun immerhin ihr Heim, ihres ganz alleine und das musste gepflegt werden. Nachts war sie dann auf Jagd gegangen. Hatte Betrunkenen die Geldbeutel abgeschnitten, war in Häuser und Läden mit geöffneten Fenster eingestiegen und gesammelt was sie benötigte. Kleidung, warme Decken und Felle, Geschirr, aber am wichtigsten Nahrung.
Sie fühlte sich hier mittlerweile wohler als in ihrem alten Dorf im Dschungel, nachdem ihr Vater gestorben war. Tarishan schob das Leder vor dem Fenster beiseite und stieg von einem anderen Dach aus hinein in ihr Heim. Kaum war sie hineingeglitten blieb sie wie angewurzelt stehen. Irgendetwas sagte ihr, daß etwas nicht stimmte. Sie lauschte in die Dunkelheit und versuchte in den Schatten etwas zu erkennen. Minutenlang stand sie einfach nur da, aber nichts bewegte sich. Vorsichtig griff sie zu einer Kerze neben dem Fenster und zündete sie mit einem Streichholz an. Dämmriges Licht der Flamme erhellte ihre kleine Wohnung. Auf den ersten Blick war nichts zu sehen. Vorsichtig tat Tari die ersten Schritte. DA! Da bewegte sich etwas Kleines in ihrem Essensvorrat. Die Welpin stürmte los und der kleine schwarze Schatten, der sich eben noch völlig lautlos über ihr Trockenfleisch hergemacht hatte, wetzte ebenfalls los. Wütend warf sie der Ratte den schweren Geldbeutel nach und traf sie um ein Haar. Das Tier quietschte vor Schreck auf und flitzte durch das Fenster hinaus ins Freie.
Wütend betrachte Tari das angeknabberte Fleisch. Das waren ihre Vorräte. Sie hatte sie alle zusammen geklaut und das sollte keine dieser widerlichen Ratten als leichte Beute dienen. Eigentlich hätte sie schon eher daran denken sollen. So nahm die Welpin seufzend ihre Vorräte, stopfte sie in Leinensäcke und hing sie dann kreuz und quer in der Wohnung an den Balken der Decke auf.
Der Tag war lang gewesen und vor allem die Nacht. Aber nach der heutigen Beute konnte sie es die nächsten Tage und Nächte ruhig angehen lassen. Zufrieden krabbelte sie in ihre Felle und Decken, kuschelte sich darin ein und war ziemlich schnell eingeschlafen.
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Nimm das Leben nicht so ernst, du kommst da eh nicht lebend raus...

Re: Tiki

#2
Es dämmerte über Orgrimmar. Die Händler begannen ihre Läden zu schließen. Die Wachen wurden von ihren Kollegen zur Nachtschicht abgelöst und die Tavernen begannen sich wieder zu füllen. Normalerweise begann nun erst richtig Tarishans Raubzug durch die Nacht. Aber heute wollte sie sich einen besonderen Tag gönnen. Sie hatte eine Glückssträhne. Gesten der prall gefüllte Geldbeutel, voller Kupferlinge, einige Silberlinge und sogar zwei Goldstücke! Unermesslicher Reichtum für die Welpin. Und heute hatte direkt vor ihrer Nase ein Händlerkarren einen Sack mit Getreide verloren. Kurz hatte sie gewartet, ob der Händler es bemerken würde. Aber als er schon einige Schritte weiter um die Ecke bog, war sie nach vorne gestürmt und hatte den schweren Sack mühsam, von einem Versteck zum nächsten, bis zu ihrem Heim gezogen. Sie hatte dafür durch die rußige Werkstatt unten laufen müssen, aber in Anbetracht dieses Schatzes war das eine Lapalie.
Danach war sie noch ausgezogen. Hatte am Marktplatz den Haufen mit dem weggeworfenen Gemüse durchsucht, sie hatte sogar noch essbares Obst und eine Mango ergattert! Und konnte im Abschluß sogar eine Pastete von einem kleinen Händlerkarren klauen.
Die letzten Tage waren so erfolgreich gewesen, daß sie bereits befürchtete, das Schicksal würde ihr nun einen extra dicken Stein in den Rücken werfen. Irgendeinen Haken musste doch eine solche Glückssträhne haben!
Tari krabbelte über das angrenzende Hausdach in ihr Zuhause. Ihr lief schon das Wasser im Mund zusammen bei dem Gedanken an die saftige Mango.
Freudig rutschte sie zum Fenster hinein und blieb dann wie angewurzelt stehen. Da! Auf ihrer saftigen duftenden Mango saß eine dürre schwarze Ratte und nagte im Fleisch der Frucht herum!
Die Welpin explodierte. Wie ein Raubtier stürzte sie schreiend vor, daß die Ratte erst mal vor Schreck wie erstarrt sitzen blieb, dann aber los wetzte und um ihr Leben floh. Vor Wut schäumend schnappte sich Tari auf der Jagd nach dem Übeltäter alles, was ihr in die Hände fiel und warf es nach der Ratte. Das gehetzte Tier quiekte entsetzt auf, rannte panisch durch das Zimmer und floh dann durch das Fenster hinaus. Mürrisch schaute Tari ihr nach. Eine Ratte. Sie hatte seitdem sie hier eingezogen war kein einziges Tier mehr hier gesehen. Und nun kam dieses schwarze Vieh und machte sich über ihren tollen Vorrat her. Aber das würde sie ändern. Grinsend schaute sie auf die Reste der Mango hinab und begann sie selbst aufzuessen.

Den ganzen Morgen war Tari schon unten in der Werkstatt am werkeln gewesen. Bisher hatte sie sich nie viel aus ihr gemacht. Aber während sie so dabei war nach Werkzeug und brauchbaren Material zu suchen kam sie auf den Geschmack. Früher im Dorf hatte sie oft zugesehen wie Fallen gebaut und dann im Dschungel aufgestellt wurden. Sie hatte aber nie selbst Hand anlegen dürfen, sondern immer nur zuschauen dürfen. So brauchte es ein paar Stunden und die Falle sah immer noch aus als hätte sich ein Kodo drauf gesetzt. Frustriert legte sie das Gebilde auf die Seite und fing an Schlingen und Köder oben auszulegen. Sollten die Schlingen nicht das Miststück schnappen, konnte sie immer noch weiter an der Falle bauen. Summend hängt sie die Schlingen aus. Heute Abend würde es geröstete Ratte geben…..
Und als dann auch die Abenddämmerung anbrach, Tari von ihrem täglichen Rundgang nach Hause kletterte summte sie fröhlich vor sich hin. Endlich mal wieder frisches Fleisch, sowas hier in Orgrimmar zu ergattern war nämlich ziemlich schwierig. Sie hatte bereits mit dem Gedanken gespielt sich beim Metzger etwas zu kaufen, aber nun da geröstete Ratte auf dem Plan stand, hatte sie den Gedanken erst mal beiseite geschoben.
Fröhlich schlüpfte das kleine Mädchen zum Fenster herein und fing an die Schlingen zu kontrollieren. Von Schlinge zu Schlinge sank ihre Laune. Jeder Köder war verschwunden, die Schlingen hatten teilweise nicht mal angeschlagen, aber keine Ratte war zu sehen. Im Gegenteil, sie hatte das verdammte Vieh sogar mit den Ködern gefüttert.
Grummelnd packte sich Tari eine Handvoll Trockenfleisch und setzte sich damit auf die Felle. Aber nicht für lange. Es dauerte nur ein paar Atemzüge bis sie fluchend aufsprang und sich den Hintern rieb. Da war was nass?
Schnüffelnd und tastend suchte sie die Stelle in ihren Fellen. Das war doch kaum zu glauben. Nicht nur, daß das schwarze Drecksvieh sich an den Ködern satt gefressen hatte, nein sie hatte auch noch ihre Notdurft in Taris Schlaffellen verrichtet, so als ob sie die Welpin verhöhnen wollte. Stocksauer schüttelte Tari die Rattenköttel aus ihrer Decke. Morgen würde das Vieh dran glauben müssen.
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