Zwischen Fieberwahn und Kaffeehumpen - 2015

#1
von Wooka am Freitag 6. März 2015


Es war schon sehr spät, als sich Wooka von Rayha verabschiedete und den Weg nach Booty antrat.
Lange hatten sie vor dem Altar von Hi´Reek gesessen und gebetet, hatten Blut geopfert und die Fledermaus gehuldigt. Dann hatte Wooka den Kopf zu Rayha gedreht und leise gemeint: „Mio müssens los“. Rayha hatte nur stumm genickt. Sie schien ohnehin zu wissen was ihn beschäftigte, warum er so spät noch durch den Dschungel strich. Sie hatten sich gebührend von Hi´Reek verabschiedet und waren dann den Hang hinunter zu ihrer Hütte gelaufen.
Seit fast schon drei Wochen wohnten Rayha hier mitten in der alten Tempelstadt der Gurubashi. Anfangs hatten sie nur eine marode Bruchbude vorgefunden, doch sie hatten beide hart und unermüdlich gearbeitet, hatten das faule Holz erneuert und mit dicken starken Knochen die Wooka aus den Leibern von drei Basillisken herausgearbeitet hatte, verstärkt. Dann hatte Rayha mehrere Tierhäute zusammengenäht und hatte diese dann über die Hütte als Dach gespannt, während Wooka große Steine herbeigeschafft hatte, um den Feuerkreis zu erneuern. Auch hatte er einen teil der alten und verfallenen Mauer wieder aufgebaut und hatte das Harz und den Saft der Bäume dazu benutzt um die Steine zu fixieren. Als Letztes hatte er ein paar Kisten aus Knochen, die er mit Tiersehnen zusammengebunden hatte ein paar Kisten für sich und Rayha gebaut, während diese die Felle seiner Beute zu zwei Decken verarbeitete, hatte seine Destillieranlage, die Krauttöpfe und die Fässer mit gebranntem Alkohol aus Booty rangeschafft und alles sauber neben der Hütte aufgestellt.
Rayha hatte Wooka ihren Beutel gegeben und hatte sich dann in den Sand gesetzt und mit genauen Zeichnungen genau erklärt was zu tun sei. Dann hatte Wooka nur noch seinen Schild und war hinaus in das nächtliche Treiben des Dschungels entschwunden. Zügig ging er den Weg entlang, wobei der Schorf an der Schnittwunde in seiner Fußsohle aufriss und sich von neuem Steinchen in die Wunde traten.Doch das interessierte ihn nicht im Geringsten. War ja schließlich nicht so als, würde eine halbtote fiebrige Trollin in Booty in Nixxrax` Taverne rumliegen. Wooka hatte es Rayha verboten sich um seine Wunden zu kümmern, nur die Kugel aus seinem rechten Oberarm hatte sie entfernt.
Im Dschungel war es dunkel heiß und drückend schwül doch nach fast drei Monaten, die er nun schon im Schlingendorntal lebte machte ihm das bei weitem nichts mehr aus. Er schritt zügig voran wobei die Knochen seiner Rüstung leise klapperten. Heute hatte er kein Gehör für das vielschichtige Sirren und Summen der Insekten im Unterholz, hatte kein Auge für die leuchtenden Augenpaare, die ihm auf seinem Weg verfolgten und neugierig begutachteten. Seine Gedanke waren voll und ganz auf Kyujen und seine Aufgabe konzentriert.
Nicht, dass Wooka Angst davor hatte sich Dorsor entgegen zu stellen, sollte er versagen und Kyujen nicht wieder hinbekommen...Aber sie war eine Duri und von dieser Warte her seine Schwester genau wie Rayha es war. Und hätte er sie nicht verletzt vielleicht wäre es dann nie passiert...Seine Schuld war auf jeden Fall, dass ihr Arm eher an die Fleischstücke an den Haken einer Metzgerei erinnerten, als an das was er eigentlich darstellen sollte. Normalerweise wäre Wooka stolz auf so eine von ihm verursachte Wunde gewesen, hätte sie in einer Schlacht doch den Kampf zu seinen Gunsten entschieden. Doch Kyujen und er hatten nur trainiert, weil er sie überredet hatte. Könnens mio wirklich nua tötn?, fragte er sich in Gedanken während er wortlos an den Gobblinwachen vorbeiging und den Tunnel nach Beutebucht betrat. Die Wachen ließen ihn wortlos passieren; man kannte sich ja, schließlich vertickte Wooka seinen Alkohol in der Stadt. Als Wooka aus dem Tunnel heraus und in die Stadt tart legte er den Kopf in den Nacken und schnüffelte einen Moment. Wie er diesen Geruch von Schweiß, Krautdrehern, Salzwasser und Alkohol liebte, wie sehr er das Geräusch der Meeresbrandung und das Rauschen des Meeres genoss. Wooka ließ den Moment noch ein wenig ausklingen und machte sich dann weiter auf den Weg durch die Stadt. Kurz sah er Tiki, Tarishans Maus, wie sie über die Planken in Richtung der unteren Ebene huschte und hörte kurz darauf das panische, fast schon weibische Kreischen eines Seebären, dem sie wohl wie sooft in die Hose geklettert war. Wäre der grund warum er hier war nicht so ernst gewesen, hätte Wooka ein leises Glucksen von sich gegeben, doch so huschte er nur wortlos in die Taverne hinein.
Drinnen herrscht noch reges Treiben. Gobblins saßen zusammen bei Kirschgrog und Annanascoktails in einer Ecke und hatten die Köpfe zusammengesteckt. Menschen und Zwerge saßen mit großen Humpen in den Händen an den Tischen und prosteten sich einander fröhlich lallend zu während ein besonders fetter kleiner Gnom in einer Ecke auf zwei gestapelten Fässern saß und dazu verwaschen das Schiffersklavier spielte.
Keiner schenkte Wooka besonders groß Beachtung und so konnte er sich möglichst leise die Treppe hochschlängeln und zu Kyujens zimmer huschen. Vor der Tür atmete er nochmals tief durch, packte Rayhas Beutel fester in seiner Kralle. Dann schob er die Tür auf und huschte ins dunkle, nur spärlich von einer einzigen Kerze beleuchtetem Zimmer.
Sie hatten die beiden betten zusammen geschoben, den Tisch an den Rand des Raumes verbannt und die Stühle um die Betten gestellt. An einem Ende stand ein noch halbvoller Eimer mit Wasser, ein Lappen schwamm darin. Wooka legte seinen Schild ab und lehnte das brachiale Ding an die Wand neben der Tür, zog sich die Kerze und einen Stuhl ans bett heran und sah auf Kyujen herab. Sie schlief, doch er sah gleich, dass es ein sehr unruhiger Schlaf sein musste. Dauernd warf sie sich hin und her. Ihr Atmen ging pfeifend, schnell, und flach und ihre Brust hebte und senkte sich nur minimal vor Anstrengung. Immer, wenn sie den geschienten und verbundenen Arm belastete, zog sie zischend knurrend die Luft ein, murrte ein wenig und warf sich wieder auf die andere Seite. Ihre Haut war schweißgebadet und ihre Augenlider zuckten unruhig.
Wooka nahm Rayhas Beutel und öffnete ihn. Ein ziemlich starker und aromatischer Duft von den darin liegenden Kräutern stieg ihm in die Nase und trieb ihm kurzzeitig die Tränen in die Augen. Unwirsch blinzelte er die fort und nahm den großen muldenartigen Stein heraus, legt ihn sich auf den Schoß und platzierte in ihm eine Handvoll Kräuter. Dann entnahm er den Beutel einen deutlich kleineren, flachen Stein nahm beide Steine in die Hände und begann die Kräuter, wie es ihm Rayha erklärt hatte zu zerreiben und zu zerstoßen. Welch langwierige Arbeit!, dachte er und in ihm flammte plötzlich Bewunderung für Rayha, Zebwa Zanati und Takut auf, die sich dieser mühseligen Arbeit wohl tagein tagaus widmeten. Als von den kräutern nur noch ein feines grünes Plver übrig war, schöpfte Wooka mit der flachen Hand etwas Wasser aus dem Eimer und gab es hinzu und vermischte beides zu einem zähflüssigem stechend riechendem Brei. Er stellte die Steine auf sienem Schoß ab und öffnete vorsichtig den Verband um Kyujens Arm. Sie knurrte auf regte sich blinzelte dann verschlafen und sah ihm mit leicht glasigen Augen an. „ Was machtn dia Arsch hia?“, nuschelte sie verwaschen mit geschwollener Zunge und regt sich ein wenig mehr. „Lass das bleibn dia Vogelhirn pfuscht ney an mia Arm rum! Schwing dia lieba zua zeb oda so un lass die des machen!“ Sie versuchte schwach und erschöpft wie sie war ihm den Arm zu entwenden, doch er hielt sie ohne große Anstrengung einfach fest und sagte nur: „Dors hatta gsacht mio sollens mio um dia kümman also halts Maul beweg dia net“. Natürlich würde er ihr nie eingestehen, das ihm viel mehr die Schuld die an ihm nagte an ihr Lager trieb. Kyujen schien zu erschöpft, um groß etwas zu entgegnen und so ließ sie sich wieder in die Kissen fallen.
Vorsichtig wickelte Wooka den Verband ab und ließ ihn neben sich zu Boden fallen. Dann hielt er mit einer Hand vorsichtig die Schienen an Ort und Stelle, was Kyujen von neuem eine lallende Tirade von Beleidigungen und Knurrern entlockte. Er tauchte mit der anderen Hand mit einer Kralle in den Brei ein und bestrich dann vorsichtig die Wunde, bis der ganze brei dünn und glecihmäßig auf Kyujens Arm verteilt war. Wooka entnahm dann einen frischen Verband aus Rayhas beutel und biss die Schnur, die ihn zusammenhielt auf und wickelte ihn wieder fest und eng um Kyujens Arm, wobei sie ihn immer wieder anschrie er sei doch so dumm und wenn sie erstmal wieder fit sei würde sie ihm die haut abziehn. „Halt endlich die Maul un lass mio arbeitn ragazza“ knurrte er ihr entgegen, während er die Steine wieder im Beutel verstaute, diesen wieder zu band und ihn zu seinen Füßen nieder gleiten ließ. Dann nahm er den Eimer zur Hand, wrang den Lappen aus und begann ihr den Schweiß von der Haut zu waschen.
„Dia wartet kurz mio kommens glei widda“, sagte er schließlich, als er den Eimer wieder wegstellte und zur tür ging und in den nun deutlich ruhigeren Schankraum trat. Zügig aber leise ging er nach unten zu Nixxrax und sagte zu ihm: „Gib mia due vonne größtn Humpn. Un mit Wassa eh un mit deinem Kaffee oda cosa des a imma sei soll.“. Nixxrax nickte sich verbeugenden und wuselte hinter dem Tresen hin und her, bis er Wooka die zwei großen dickbauchigen Humpen auf den tresen hievte und wieder mit einer Verbeugung das Geld von Wooka annahm. Dieser packte die zwei Krüge mit einer Hand und huschte wieder nach oben, wo er auf dem Treppenabsatz wie angewurzelt stehen blieb und zu Kyujens Zimmertür starrte. Dort stand ein Mensch groß für seine Art mit sonnengebräunter Haut und langem schwarzem Haar. Gekleidet war er in ein schickes weißes Hemd, weiten roten hosen und hohen breitkrempigen Lederstiefeln und er lukte zu Kyujens ins Zimmer. Leise stellte Wooka die Humpen ab und machte dann zwei Sätze, packte den Mann beim Kragen und schleuderte ihn über die Hängebrücke, die die beiden oberen Etagen der Taverne verband hinweg gegen die Wand. Wooka setze gleich nach stieß Tisch und Stuhl beiseite zog den Menschen der immer noch nicht so recht mitbekam wie ihm geschah hoch und drückte ihn mit dem Ellenbogen gegen die Wand, dass es diesem die Luft aus den Lungen drückte. Wooka holte aus und ließ seine Faust in das Gesicht des Mannes donnern, wobei er diesem das Nasenbein zertrümmerte und ihn laut aufheulen ließ. Ein zweiter Schlag erfolgte, diesmal in die Magengrube und ließ den Mann aufschnappen nach Luft bevor Wooka ihn ein letztes Mal am Kragen packte und ihn die Treppe hinunter warf, wo er kurz zusammengesackt liegen blieb, jedoch dann in aller eile aus der Taverne hastete.
Wooka griff sich wieder die beiden Krüge und ging wieder in Kyujens Zimmer, wo er sich auf den Stuhl niederließ. Kyujen war immer noch wach und sah ihn mit glasigen Augen an. „Dia sieht scheiße aus maan. Richtich Richtich scheiße.“, nuschelte sie und er grinste kurz ehe er seinen Kurg mit Kaffee absetzte und ein wenig näher zu Kyujen hinruckte. Er schob eine Hand unter ihren Kopf und hob ihn an, ehe er ihr den Wasserkrug an die Lippen hielt. Gierig begann sie in großen Schlücken zu trinken, war aber dennoch so erschöpft, dass sie nach wenigen Augenblicken den Kopf wegdrehte und er den Krug wieder abstellte.
Wooka machte noch einen weiteren Beutel von seinem gürtel los und legte ihn neben Kyujens bett. „Diena Dolche. Mio habens se in Grimma gfunna“, saggt er schlicht und sie nickte nur. Dann legte er ihren Kopf wiedre ind ie Kissen und kramte aus seiner Tasche ein paar rohe Fleischbällchen hervor, die er zuerst selber in den Mund nahm sie zerkleinerte und dann Kyujen einflößte. Als auch dies geschehen war, deckte er Kyujen noch unnatürlich sanft für ihn zu und machte es sich auf seinem Stuhl bequem. Allmählich fiel Kyujen wieder in einen Schlaf, diesmal aber war es ein deutlich ruhigerer. Sie atmete zwar immer noch pfeifend, aber ihr Atem ging nicht flach und angestrengt. Auch warf sie sich nicht immer hin und her sonder regte sich nur noch ganz kurz immer mal wieder. Wooka nahm seinen Humpen zur Hand und trank etwas von dem teerartigen bitterem Gesöff, das Nixxrax als „schwarzes Gold“ bezeichnete und sah kyujen beim Schlafen zu. Er würde da bleiben. Er hatte ja Zeit...

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